Fachartikel

Paul-Erwin Oswald, Geflügel-Börse vom 5. August 2005

Cayugaenten in schwarzem Samt

Drei Dinge braucht der Mann, so suggerierte es uns jedenfalls die Tabakwerbung. Zu einer guten Cayugaente gehört da schon etwas mehr: Schlangenkopf, S-förmiger Hals, kräftige, gestreckte Form und das faszinierende grüne Gefieder. Jetzt werden sich viele fragen, was haben Tabak und Cayugaenten gemeinsam? Beides verdanken wir den Indianern.

Bekanntlich brachte Christoph Columbus von mittelamerikanischen Indianern den Tabak nach Europa. Die schwarzen Enten verdanken wir einem Indianerstamm aus dem norden. Onondaga, Mohawk, Seneca, Cayuga, Oneide und Cherokee hatten sich im Staat New-York zu einem indianischen Sechs-Nationen-Bund zusammengeschlossen. Amerikanischen Aufzeichnungen zufolge sollen die Cayuga-Indianer als erste dunkle Wildenten als Haustiere (im weitesten Sinne) gehalten haben.

Die traditionelle Geschichte beginnt dann mit einem Müller in Dutches County, der 1809 ein Paar dieser schwarzen Enten gefangen und durch Beschneiden der Flügelfedern an seinem See heimisch machte. Kurios ist, dass sich alle Amerikaner auf einen Brief von 1812 beziehen. Dort schreibt D. Bachmann an Dr. Audubon: „…wir sahen in Dutches County im State New York am Haus eines Müllers einen feinen Stamm von etwa 30 Enten, wie wir sie vorher noch nicht gesehen hatten.“ Was fehlt, ist der entscheidende Hinweis, ob es sich dabei um schwarze Enten handelte. Es liegt mir allerdings fern, damit amerikanische Grundmanifeste in der Geschichte der Cayugaenten erschüttern zu wollen.

Sicher ist, dass im Jahr 1840 Züchter mit der gezielten Selektion auf Farbe und Größe begannen. Erstmal ausgestellt wurden sie 1851 im Crystal Palace in New York. Der Name Cayugaenten entstand 1863. Zum einen wurde er abgeleitet vom Verbreitungsgebiet, dem Cayuga-See, und zum anderen von den Cayuga-Indianern, ihren eigentlichen „Erzüchtern“. Bereits 1874 wurden die schwarzen Cayugaenten in den amerikanischen Standard of Perfection aufgenommen. Die älteste farbige Darstellung ist meines Wissens auf das Jahr 1886 datiert: zwei Cayugaenten eines W. Simpson in feinem Glanz, daneben ein Paar Black East India Ducks (Smaragdenten), im Ganzen noch vollkommener und opulenter im Glanz. Sehr ähnlich in Form und Farbe sind die Cayugaenten im „Illustrierten Entenbuch“ von Dr. A. Maar aus dem Jahre 1891 abgebildet.

Die klassischen Cayugas brachten stolze acht Pfund auf die Waage. So massig verlangen wir die Rasse heute nicht mehr – wohl aber kräftig ohne Ecken und Kanten. Sie erscheinen fast waagerecht in der Haltung mit gut gerundetem gestrecktem Körper. Die Unterlinie ist glatt – ohne Wamme oder Kiel.

Unsere europäischen Züchterfreunde bewundern diese konsequente Forderung und deren Umsetzung. Wir Deutschen lieben es eben glatt – naja, zumindest bei den Enten. Ästhetische Linien prägen das Gesamtbild der modernen Cayugaente.

Gewichtsmäßig bringen Erpel drei Kilogramm, Enten 2,5 Kilogramm auf die Waage. Engländer und Amerikaner fordern noch ein gutes Pfund mehr. Da bleibt die Form zwangsläufig auf der Strecke. Smaragdenten wurden eigentlich immer zur Verbesserung der Gefiederfarbe herangezogen. Dadurch wirkten die Nachkommen im Körper viel zu kurz, plump und pummelig. Ende der 1960er bis Anfang der 1970er Jahre setzte unter den Züchtern ein regelrechter Farbenwahn ein. Hinweise der Sonderrichter wurden zwar gelesen, mehr aber scheinbar nicht. Größe und Gewicht wurden zur Nebensache erklärt, es gab nur noch Grün, Grün, Grün. Es war dann Fritz Regenstein (damaliger Vorsitzender des BZA), der mit einem Machtwort das Schiff wieder auf Kurs brachte. Kräftig, aber nicht massig, gut bemuskelt, aber nicht bullig, fein in den Linien, ohne sich in sinnlosen Nicklichkeiten zu verlieren, war die Devise. Der Rücken ist breit angelegt und leicht gewölbt. Die Ober- und Unterlinie verlaufen nahezu parallel. Vorweg erkennt man eine breite Brust, die fließend, ohne zu verjüngen, in den gerundeten Körper übergeht.

Zum Thema Größe und Gewicht möchte ich noch drei Sätze loswerden. Leider können Sonderrichter nicht auf allen Großschauen zur Bewertung eingesetzt werden. Mitunter geraten hier wieder vorschnell Größe und Gewicht ins Hintertreffen. Liebe Züchter, lasst euch auf eurem Weg nicht beirren: „Cayuga Light“ – nein danke.

Die Flügel sind lang und werden hoch getragen. Ihre Spitzen dürfen bis zur Schwanzoberseite ragen. Wer Tiere mit unbedecktem Rücken auf die Piste schick, wird keinen Blumentopf gewinnen. Die Schwanzsteuern folgen in gerader Linie der Rückenpartie. Die sind nicht gerade fächernd, eher als offen zu bezeichnen. Alle Cayugas, die hinten spitz und kantig abschließen, vergeben wertvolle Punkte. Die Lockenbildung bei den Erpeln der Cayuga ist keine besondere Sache. Sie ist eigentlich immer ordentlich.

Ohne großes Aufheben zu verursachen, treten die Schenkel aus dem Weidengefieder. Die Läufe sind mittellang und so dunkel wie möglich – fast schwarz. So steht`s im Standardtext. Für die Zucht würde ich die Sache strenger formulieren: Schwarz – je dunkler, desto besser. Mit einer Ringgröße von 16 wird den nicht allzu knochigen Läufen der Cayugaenten vollends Rechnung getragen. Wie ein Puzzle vereinen sich im äußern Erscheinungsbild die harmonischen Proportionen der einzelnen Körperteile zu einem berauschendem Erscheinungsbild.

Eine weitere Besonderheit ist der schlangenartige Kopf. Eine flache Stirn und hoch sitzende Augen erinnern an ein züngelndes Reptil. Dazu ist er rundlich in seiner Gestalt ohne Backenbildung. Markant geschliffen ist die Kehle. Trocken, ja geradezu röhrenförmig geht es in den S-förmigen Hals. Das „S“ ist nicht gezogen, sondern leicht gedrückt mit feinem Bogen, wobei der untere geschwungen die Brust umschließt. Vereinzelt setzen, besonders die Erpel, im Übergang vom Kopf zum Hals mit einem unschönen Knick ab. Ebenso rätselhaft erscheint mir eine immer öfter in Augenschein tretende Oberkopfrinne, die direkt über den Augen liegt. Woher kommt sie? Ich vermag es nicht zu deuten – wehret den Anfängen! Die dunkelbraunen Augen werden rund und lebhaft verlangt.

Der Schnabel ist nicht zu lang, flach und mit leicht hohler Firstlinie versehen. Bei dem Erpel ist er dunkel olivgrün mit einem bis über den Schnabelrand und fast zur Schnabelspitze reichenden schwarzen Sattelfleck. Noch dunkler ist er bei den Enten, sozusagen schwarz bis kurz vor die Schnabelspitze. Dort wird so gerade eben ein wenig dunkles Olivgrün bis Grau sichtbar. Beide Geschlechter zeigen eine schwarze Bohne. Alttiere wird eine leichte Aufhellung bei der Lauf- und Schnabelfarbe zugestanden. Vertreter, die mal gerade eben einen schwarzen Strich auf dem First zeigen, sind mit der Note „sg 93“ gut bedient.

Woher kommen gelbe Unterschnäbel und weiße Kehlflecken? Wer in der Trickkiste stöbert muss wissen, dass Engel und Teufel sich nicht verbünden lassen. Achtung, dies sind neben matt braunem Gefieder, gelben Läufen und kieliger Brust grobe Fehler.

Wer kann sich beim Anblick von solch üppigem Gefiederglanz der Faszination dieser Rasse entziehen? Es ist dieses warme Grün, das sich samtig weich wie ein schillernder Hauch übers ganze Gefieder zieht. Ein kaltes metallisches Blau wird abgelehnt. So gerade eben dürfen sich die Spiegel davon noch ausnehmen. Da werden wir in Zukunft sicher aber vermehrt Grün zu Gesicht bekommen.

Vergessen und längst vorbei sind die Zeiten, in denen braunes Bauchgefieder und mattschwarze Decken zur Tagesordnung gehörten. Die Lichtbrechung ist ein Faktor, den es in der Bewertung nicht zu unterschätzen gilt. Künstliches Licht kann uns vorschnell „blaue“ Cayugas suggerieren. Keinesfalls verwechseln darf man eine Lichtbrechung mit bläulichen Violett-Bänderungen, die es selbstverständlich zu strafen gilt. Perfektionierte wird das Ganze durch satt anliegendes, straffes, festes Gefieder. Spitzentiere sind auch an der Hals- und Unterlinie glatt. Besonders die rauen Unterhälse gehören zu den Hausaufgaben der Züchter.

Für Neueinsteiger ist sicherlich überraschend, dass Cayugaenten im zweiten Jahr ziemlich weiß werden, die Erpel seltener, jedoch verlieren die Enten recht schnell Farbstoff und können bereits im dritten Jahr gänzlich weiß bleiben.

Eine verlässliche Brüterin scheint die Cayugaente nie gewesen zu sein. Dr. Maar (Illustriertes Enten-Buch, 1891) und Biesenbach (Das Entenbuch zur Tier-Börse, 1894) geben die Zahl der Eier mit rund 80 Stück pro Jahr an. Beide verneinen die Brutlust dieser Rasse. Ins Reich der Sagen und Mythen gehören 150 bis 200 Eier wie sie der Engländer Tegetmeir 1867 veröffentliche. Nicht minder zweifelhaft sind die Angaben amerikanischer Züchter von 100 bis 150 Stück. 60 Eier stehen in der Tabelle zur Legeleistung des Standards. Von rein weiß bis dunkelgrün geht die Bandbreite in der Eierfarbe. Zu Beginn der Legeperiode sind die Eier fast schwarzgrün, mit zunehmender Legetätigkeit verblassen diese zu einem blassen Grün. Das im Standard angegebene Bruteier-Mindestgewicht von 65 Gramm stimmt mit der Realität überein.

Erblicken die kleinen gelb-schwarzen Küken das Licht der Welt, geht es zielstrebig vorwärts. Aufzucht und Haltung gestalten sich wie bei allen Enten problemlos. Ein Mischfutter und ordentlich Grünzeug bieten die Futtergrundlage. Alle Arten von Sämereien (Glanz, Leinsamen, Sonnenblumen, Hanf usw.) tragen zur Lackbildung bei. Wer über fließendes Wasser verfügt, kann sich glücklich schätzen. Als Badegelegenheit können selbst errichtete Becken, einfache Duschwannen oder sonstige wetterfeste Behältnisse dienen. Sauberkeit ist oberstes Gebot beim Bade- und erst recht beim Trinkwasser.

Auch wenn in meinen Stallungen noch nie Cayugaenten standen, fasziniert haben sie mich vom ersten Augenblick an. Über mangelndes Züchterinteresse konnten die Cayugaenten noch nie klagen. Breit gefächert ist die Zuchtbasis mit einem überaus hohen Zuchtstand. Neue Züchter sind gerne gesehen und beleben das Geschäft.

Die Cayugaenten werden vom SV der Entenzüchter (www.enten-sv.de) betreut. Kontaktadresse: Paul-Erwin Oswald, Am Kreuz 18, 67578 Gimbsheim, Telefon/Fax: 06249/6217, E-Mail: entenoswald01@aol.com.