Fachartikel

Paul-Erwin Oswald, Geflügel-Börse vom 19. Juli 2002

Zwergenten gibt`s in vielen Farben

Bestünde ein Wettbewerb für „längstes Quaken“, so könnte es nur einen Sieger geben: die Zwergenten. Stimmgewaltig, aber ebenso quirlig und possierlich bieten sie dem Besucher eine Entenshow der besonderen Art. Ihre gnomenhaft puppige Gestalt fasziniert große und besonders kleine Betrachter. Der Verbreitungsgrad dieser Rasse sucht seinesgleichen, daraus resultiert ein ausgesprochen hoher Zuchtstand, der die Messlatte ständig nach oben schraubt.

Schon der Kopf einer Zwergente ist etwas Besonderes. Breit, groß und rund mit vollen Backen sind klare Vorgaben, aber erst so richtig kugelige Hamsterbacken, lassen den Kopf zu einer runden Sache werden. Die hochgewölbte Stirn wird ohne abzusetzen in die Kopfrundung integriert. Flache, keilförmige Stirnansätze stehen anderen Rassen gut zu Gesicht, den Zwergenten aber nicht. Mittig im Kopf ist das lebhafte, runde Auge platziert. Dank aufmerksamer Bewertung sind die „spitzen“ Augen fast verschwunden.

Kurz und breit, möglichst waagrecht eingesteckt, wirkt der Schnabel. Stark senkende Schnäbel sind verpönt. Die Firstlinie wird ausdrücklich eingebogen verlangt, dabei deckt der Oberschnabel gut zur Hälfte den Unterschnabel ab. Nicht nur in der Kürze liegt die Würze, bei ordentlicher Breite kann der Schnabel auch mal einige Millimeter länger sein.

Die Kehle wird voll gewünscht, faltig wellige Wammenbildung entwertet den typhaften Zwergentenkopf. Wer diesen Anforderungen nicht standhält, kann bei aller Form und Farbe bereits nicht mehr im Rampenlicht stehen. Zum richtigen Zwerg gehört ein kurzer Hals, der nach leichter Biegung recht dick in den Rumpf einläuft.

Der Körper wird kurz und verhältnismäßig breit, allseits gut gerundet, mit fast waagerechter Haltung verlangt. Dementsprechend breit, keinesfalls zu lang darf der Rücken sein. Für die puppige Gesamterscheinung sind die Flügel recht lang. Sie werden fest angelegt, sodass die Handschwingen über dem Bürzel leicht kreuzen. Die volle gut gerundete Brust geht in einen gewölbten Bauch über, ohne Wammenbildung oder Kiel.

Der Stand wirkt gegenüber anderen Entenrassen breit. Wer im Bereich der Ständer oder am After absetzt, trennt die glatte Unterlinie in zwei Hälften und muss mit Punktabzug rechnen. Gut geschlossen wird der Schwanz in waagerechter Linie getragen. Ein wesentliches Rassemerkmal sind die verdeckten Schenkel, davon darf aber auch rein gar nichts zu erkennen sein. In der Mitte des Körpers stecken die kurzen Läufe. Bei manchen blinkt schon ganz verdächtig das Fersengelenk hervor – nur ein Fingerzeig, noch können die Züchter frühzeitig selektieren! Besondere Beachtung ist der Hinterzehe zu schenken: Waagrecht, besser noch nach unten gestellt muss sie sein. Alles, was in den Himmel ragt, ist zu strafen.

Auf eine harmonische Gesamtstruktur von Schnabel, Kopf und Körpergröße ist zu achten. Die in den 1980er Jahren vorgestellten „Mini-Zwergenten“ sind inzwischen Schnee von gestern – und das ist auch gut so.

Offener Halsring und eine schokoladenbraune Brust mit Stich ins Rötliche ohne helle Säumung sind Merkmale der wildfarbigen Erpel. Das Perlfeld erstreckt sich über den ganzen Bauchbereich bis zum dunklen Unterschwanzgefieder. Ist Afterweiß sichtbar, führt es zu Abstufungen. Eine möglichst rein olivgrüne Schnabelfarbe ist gefordert. Die goldbraune Grundfarbe der Enten variiert in den Zuchten. Ein wenig heller oder dunkel stört keinen, nur ins Extreme darf sie nicht gehen. Schwierigkeiten bereitet immer wieder die klare dunkelbraune, fast schwarze Hufeisenzeichung der Deckfedern an Brust, Bauch, Rücken und Bürzel. Einige weibliche Enten kommen im Hinterteil recht hell daher. Dann sind auch Zügel und Kehle fast weiß. Diese sollten aber einfarbig braun sein. Querbeet kämpfen Erpel und Enten mit korrekt eingefassten Spiegeln. Das glänzende Blaugrün bildet den Kern. Es folgt beidseitig zuerst eine schwarze und direkt angesetzt eine weiße Einfassung. Kein zusätzlicher Vorsaum und kein Auslaufen in die Schwungfedern dürfen gegeben sein. Konsequente Zuchtauslese bleibt wohl die aussichtsreichste Zuchtmethode. Die Schnabelfarbe ist braungelb. Wichtig sind der dunkle Sattelfleck und die dunkle Bohne. Orangene Läufe haben beide Geschlechter.

Stetigen Zuwachs erfahren sie Blau-Wildfarbigen. Sie sind richtig in Mode gekommen. An die Stelle von Schwarz (Wildfarbig) tritt bei ihnen Blau. Noch zeigen die Köpfe der Erpel einen Hauch von Braun. Das gewünschte samtartig glänzende dunkle Blau ist aber auf dem Vormarsch. Die Brust der Erpel ist analog zur Wildfarbe ohne Säumung. Spätestens daran erkennt man, dass dunkle Blau-Gelbe (mit weißer Rieselung) nicht in die Palette der Blau-Wildfarbigen gehören. Auch in diesem Farbenschlag präsentieren die Enten die charakteristische Hufeisenzeichung, aber eben in Blau. Wer aufmerksam beobachtet, wird hellere und dunklere Spiegelfarben feststellen, zu strafen ist diese Gegebenheit nicht. Ob man wirklich zweigleisig bleiben muss, sollten die Züchter entscheiden. Weißliches Stoß- und Aftergefieder rechnet sich nicht. Es gibt Punktabzug. Die Schnabel- und Lauffarbe entsprechen den Wildfarbigen.

Das bunte Bild eines Harlekin nennen die Silber-Wildfarbigen ihr eigen. Die Streicherenten gelten wohl noch lange Zeit als Vorbild. Das Gros der Erpel ist immer noch zu dunkel, da fehlt eine ordentliche Portion Silberfaktor. Dunkle Flanken, fehlend Brustsäumung und rußige Decken sind hauptsächliche Mängel. Selbstverständlich steht die Farbe hinter der Form in zweiter Reihe, aber wer weiterkommen möchte, muss auch mal einen Kompromiss eingehen. Weiden- bis graugrün ist die Schnabelfarbe der Erpel. Eine rahmige weiße Grundfarbe bringen alle Enten mit. Brauner Kopf und braungefleckter Bürzel sind da schon seltener anzutreffen. Immer wieder werden Tiere mit starkem Brand (rot gefärbtes Brustgefieder) vorgestellt. Gelbe Schnäbel und cremefarbener Kopf sind Resultate aus Paarungen mit weißen Tieren. Dieser Weg führ in eine Sackgasse. Wer sich Farbanleihen holen möchte, wird dies nur über den langen Weg mit silber-wildfarbigen Erpeln (Hochbrutflug oder kleinen Streicherenten) erreichen können. Es wird einige Generationen benötigen, um daraus Ausstellungstiere zu formen. Vergessen wir nicht die herausgestellten Spitzentiere, sie bringen Licht in die schattige Umgebung. Sie besitzen auch die dunkle graugrüne Schnabelfarbe. Beide Geschlechter haben schmutzigbraune Läufe

Bereits beachtliche Kopf- und Schnabelstruktur zeichnen die Wildfarbig-Geschenkten aus. Überwiegend in Hals, Flügel und Unterbauch treten weiße Federbezirke unterschiedlicher Größe auf. Genau definiert sind die weißen Bezirke nicht, sie sollten aber symmetrisch auf beiden Körperseiten verteilt sein. Schnabel- und Lauffarbe sind gegenüber den Wildfarbigen etwas aufgehellt. Sie spielen aber eine untergeordnete Rolle in der Bewertung.

Vorzügliche Köpfe sind ein Merkmal der Weißen. Wer hierin nicht rund und kurz ist, kann vorne nicht mehr mitmischen. Farblich sollen sie möglich rein weiß sein, im Herbst ist leichter gelber Anflug gestattet. Das nötige Fingerspitzengefühl der Preisrichter ist gefragt. Toleranz gibt`s in der Schnabelfarbe: hellgelb bis orangefarbig – aber mir heller Bohne. Die Weißen wandeln auf dunkelgelben bis orangefarbigen Läufen.

Stetigen Aufwind erfahren die Blau-Gelben. Stirnrundung, Schnabel, Backen und Form können durchweg bescheinigt werden. Der Erpelkopf ist taubenblau bis zum offenen oder geschlossenen Halsring. Mit der hell gerieselten Brust liebäugeln nur die Spitzentiere, da bleibt noch Züchterarbeit. Im Grundton sind die Enten erbsgelb. Roggenmehlfarbige Zügel und Kehlen nach dem Vorbild der Sachsenenten sind anzustreben. Fehlende oder angedeutete Zügel gelten vorläufig nicht als Fehler. Enorm verbessert wurden die Schnabel- und Bohnenfarben. Beide Geschlechter sind im Grundton gelb, beim Erpel mit blassgrüner und bei der Ente mit bräunlicher Tönung. Dunkle Bohnen finden heute keine Akzeptanz mehr, dafür haben sich die hellen fest etabliert. Sie sind bestenfalls noch angefallen. Die dunkelgelbe Lauffarbe bereitet keine Schwierigkeiten.

Festen Tritt konnten die Schwarzen mit weißen Latz fassen. An Form und Kopf wird mit sieben Meilenstiefeln gearbeitet, der Abstand zu den anderen Farbenschlägen schrumpft. Die unschönen Brauntöne sind verschwunden, das tiefe Schwarz bekommt langsam den angestrebten grünen Glanz. Im Lack liegen die Erpel und Enten gleichauf, die Anleihe bei den Smaragdenten hat sich ausgezahlt. Gut gefestigt erscheint die weiße Latzbildung, welche am gedachten Halsring beginnt und den Kropfbereich in harmonischer Größe bedeckt. Ein weißer Kehlfleck ist weder Vorzug noch Fehler. Total weiße Kehle oder durchgehend weißer Strich bis zum Latz entwerten. Die Schnabelfarbe der Erpel: dunkelweidengrün mit deutlich sichtbarem Sattelfleck. Sie wird für die Enten noch dunkler gewünscht. Beide Geschlechter haben eine schwarze Bohne und recht dunkle, möglichst schwarze Läufe. Ein paar helle Spritzer sind erlaubt, wir dürfen nicht vergessen, dass dunkle Schnäbel und Läufe als Farbreserven dienen.

Eine ausgezeichnete Gesamtstruktur zeigen die noch nicht anerkannten, aber vorgestellten schwarzen Zwergenten. Lackreiches, tiefschwarzes Gefieder ist vorhanden. Sicherlich wird auch dieser Farbenschlag seinen Weg machen. Ebenfalls in „Züchterarbeit“ befinden sich Blaue mit und ohne weißen Latz, Khakifarbige, Gelbe und Braune ebenfalls einfarbig oder mit weißem Latz. Weitere Variationen bieten England und die USA: Gescheckte (Elsterscheckung) in Blau und Schwarz; Butterscotch, ein stark aufgehelltes Blau-Gelb; Spot, eine Aufhellung der Silber-Wildfarbe; Aleution sind mit Forellenfarbigen zu vergleichen; Lavendel oder Lila; sämtliche Farbenschläge in Dunkelwildfarbig; Blau-Silberwildfarbig usw. Anerkannt sind aber nur die wenigsten. Vergessen wir nicht die seit Jahrzehnten in den Niederlanden heimischen gelbbäuchigen Zwergenten. Das Ende der Fahnenstange liegt in weiter Ferne, freuen wir uns auf neue „Farbenzwerge“.

Als Kleinode gelten Zwergenten mit Haube. Zugelassen sind die in allen zuvor genannten Farbenschlägen. Nicht zu groß, aus festem Federwerk bestehend, sollte die Haube fein ausbalanciert am Hinterkopf sitzen.

Wie eigentlich alle Entenrassen lassen sich auch die Zwergenten relativ leicht aufziehen. Besondere Ansprüche an Stall und Auslauf stellen sie nicht, trockene Einstreu und saubere Badegelegenheiten sind für den versierten Züchter selbstverständlich. Zwergenten haben sich ihre Flugfähigkeit erhalten, dementsprechend geräumig sollte man die Volieren gestalten. Sie werden im allgemeinen recht zutraulich. Sie verkörpern eine ideale Einsteigerrasse für den Jungzüchter.

Generell haben die Zwergenten die Ringgröße 9 (ab 2013 10!!!) in beiden Geschlechtern. Die weißen bis dunkelgrünen Eier (je nach Farbenschlag) sind kunstbrutfest. Um den Naturtrieb zu erhalten, sollten alternativ auch die Möglichkeit zum Brüten angeboten werden. Kommt die Mutter dann mit ihren „sieben Zwergen“ (meist sind es mehr) daher, erfreut dies die ganze Züchterfamilie.

Wer es jetzt mit diesen possierlichen „Quakern“ versuchen möchte, der wendet sich am besten an den Sonderverein der Zwergentenzüchter (www.zwergenten-sv.de), dort vermittelt man gerne Züchteradressen.